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Seite 1 von 2 Die beschränkte Wahrnehmung
Der Mensch sieht die Welt meist nur aus seinem beschränkten
Blickwinkel. Das menschliche Auge kann nicht zoomen, nicht vergrößern, nicht
verkleinern. Wie haben sozusagen eine eingebaute Festbrennweite.
Die visuelle Wahrnehmung überträgt sich natürlich auch auf
unser Denken. So sind wir täglich in unserer Dimension gefangen. Wir verpassen
viel von dem, was um uns herum ist. Wir übersehen es. Es existiert in der
falschen Größendimension.
Die Makrofotografie ist ein perfektes Beispiel dafür. Wieso
sonst sind gute Makroaufnahmen sehr reizvoll und begeistern so manchen
Betrachter. Sie zeigen etwas, was wir so nicht sehen können.
Makrofotografie ist ein Bereich, der mit viel Liebe und
Geduld betrieben werden muss. Es kommen viele zusätzliche, technische
Herausforderung auf den Fotografen zu. Diese muss er beherrschen lernen.
Motive der Makrofotografie
Gewöhnlich sind Motive aus der Natur ideal für die Makrofotografie.
Kleine Tiere wie Insekten oder Details
von Pflanzen bieten viele Möglichkeiten. Man muss nicht lange suchen, bis ein Fotomotiv
für die Makrofotografie gefunden ist. Wichtig ist es mit offenen Augen und mit
einem Blick für das Detail zu suchen.
Technische Grundlagen - Abbildungmaßstab
Zuallererst kann die Makrofotografie nur mit passendem
Equipment durchgeführt werden. Angefangen mit dem geeignetem Objektiv.
Auf jedem Objektiv ist Mindestdistanz angegeben. Sie beschreibt den Abstand Objektiv – Motiv bei
dem gerade noch scharf gestellt werden kann. Je geringer die Mindestdistanz
ist, desto mehr kann das Motiv vergrößert werden. Die Mindestdistanz kann mit sog.
Distanzringen verringert werden.
Grundsätzlich wird die Fähigkeit eines Objektivs zur
Makrofotografie mit dem Abbildungsmaßstab gemessen. Dieser beschreibt den
Vergrößerungsfaktor des Objektivs im Verhältnis zur Sensorgröße. So bedeutet
ein Abbildungsmaßstab von 1:1, dass ein Motiv in seiner tatsächlichen Größe auf
dem Sensor eingefangen wird.
Zu bedenken ist aber ganz klar auch die sog. Fluchtdistanz
zum Motiv. Muss ich, bedingt durch eine sehr geringe Mindestdistanz, zirka fünf
Zentimeter nah an ein lebendes Motiv heran, flieht dies mit Sicherheit. So
sollte man sich folgende technische Möglichkeiten für den eigenen Einsatzzweck
überlegen.
Alternative Makroobjektiv
Ab einem Abbildungsmaßstab von 1:2 wird von der
Makrofotografie gesprochen. Es gibt für diesen Einsatzbereich spezielle
Makroobjektive, die genau auf den Einsatzzweck optimiert wurden. So sind diese Objektive
meist sehr lichtstark, bringen gleichzeitig eine sehr gute Offenblendleistung
und haben eine sehr genaue Fokussierung. Das alles gibt nicht für kleines Geld.
Die Makroobjektive sind teuer. Für den Einsteiger macht es somit wenig Sinn,
direkt ein Makroobjektiv zu kaufen.
Alternative Distanzringe
Möchte man nicht direkt ein neues Objektiv für die
Makrofotografie kaufen, sind Distanzringe eine günstige Alternative. Der Einsatz
von Distanzringen verringert den Mindestabstand zum Motiv. Das Motiv kann
deutlich größer abgebildet werden.
Distanzringe gibt es für alle Objektive. Sie werden einfach
zwischen Objektiv und Kamera angebracht und sind somit unabhängig vom Filterdurchmesser
an jedem Objektiv nutzbar. Es gibt sie
in unterschiedlichen Längen und sie können auch miteinander kombiniert werden.
Ein Nachteil von Distanzringen ist, dass sie Licht kosten.
Aufnahmen müssen somit länger belichtet werden.
Alternative Nahlinse
Nahlinsen sind wie eine Brille für das Objektiv. Sie werden
auf das Objektiv geschraubt und ermöglichen dann eine Verringerung des
Mindestabstands Objektiv – Motiv.
Eine Nahlinse bietet sich für den motivierten
Makroeinsteiger absolut an. Sie kostet kaum Licht, verringert die
Abbildungsleistung (Schärfe) des Objektivs kaum und sind deutlich günstiger als
ein Makroobjektiv.
Eine Nahlinse wird für einen speziellen Filterdurchmesser
gekauft. So muss man sich schon vor dem Kauf entscheiden, auf welchem Objektiv
die Nahlinse verwendet werden sollte. Idealerweise nutzt man eine Nahlinse mit
einem Objektiv mit Tele-Brennweite (ab 100mm). So ist die Fluchtdistanz zum
Objekt relativ groß. Insekten und andere Lebewesen werden durch ein zu nahes
Herankommen nicht verscheucht.
Beim Kauf sollte man in keinem Falle an der Nahlinse sparen!
Ich habe die Erfahrung selbst machen müssen. Eine billige Nahlinse ist nicht
chromatisch korrigiert. Ihre Aufnahmen bekommen Farbsäume auf den Bildern, was
schrecklich aussieht. So ist beim Kauf ganz besonders auf diesen Faktor zu
achten.
Nahlinsen sind die meiner Meinung nach beste Alternative zum
Einstieg in die Makrofotografie. Ein leistungsfähiges Objektiv, das sehr scharf
abbildet, sollte aber vorhanden sein, um gute Ergebnisse zu erzielen.
Licht & Schärfe als Herausforderung
Die größte Herausforderung bei der Makrofotografie ist das
Licht und die Schärfe. Was bringt eine Aufnahme von einem Insekt, wenn nur
Teile davon scharf sind.
Die Tiefenschärfe bei Makroobjektiven oder Nahlinsen ist
sehr gering. Es muss also massiv abgeblendet werden. Dabei geht eine Menge Licht
verloren. Entweder man erhöht die Belichtungszeit oder man nutzt einen Blitz.
Grundsätzlich sollte man auch bedenken, dass der Autofokus
bei der Makrofotografie nicht wirklich nutzbar ist. In der Praxis muss immer
manuell scharf gestellt werden. Das ist, mit etwas Übung, aber schnell erlernt.
Tipp: Auf das Motiv zentrieren und dann auf das zum Objektiv
nahe gelegenste Detail fokussieren. Den restlichen Bereich (Tiefe) durch
abblenden scharfstellen.
Tiefenschärfe total
Blende 48 und noch immer kein scharfes Bild? Dann hilft nur
noch die Anfertigung von mehreren Aufnahmen mit unterschiedlicher Schärfeebene.
Das Motiv wird quasi in Schärfeebenen zerstückelt. Diese können dann per
Bildbearbeitung übereinander gelegt werden. Das Ergebnis ist ein Bild mit
perfekter Schärfe in jeder Tiefe.
Stativ & Einstellschiene
Aufgrund der Tatsache, dass Licht ein knappes Gut bei der
Makrofotografie ist, ist der Einsatz eines Stativs sehr zu empfehlen. Man
sollte sich einen Gefallen tun und nicht irgendein billiges Stativ kaufen.
Verstellbarkeit, Stabilität und Flexibilität sind das A und O. Auch in anderen
Einsatzbereichen der Fotografie.
Ich nutze ein Dreibeinstativ von Manfrotto (190 Pro B)
welches einen perfekten Dreiwegeneiger und einen Seitenarmausleger besitzt. So
konnte ich bis jetzt jede noch so komplizierte Einstellung mit wenigen
Handgriffen komfortabel und schnell einstellen.
Eine Einstellschiene dient dazu, den Abstand zum Motiv ganz
fein einzustellen. Dies ist häufig nötig, da der Fokusbereich bei der
Makrofotografie minimal ist. Jedes Mal das gesamte Stativ zu verrückten ist
sehr zeitaufwändig und kostet Nerven.
Die Einstellschiene wird auf dem Stativkopf befestigt und
dann die Kamera auf die Einstellschiene geschraubt.
Ich habe eine solche Schiene bis jetzt noch nicht in Verwendung
und komme auch so ganz gut klar. Dennoch ist eine Einstellschiene sicherlich
eine gute Arbeitserleichterung.
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